Jury gibt die Shortlist 2016 bekannt

Wer steht auf der Shortlist 2016?

Die Jury, bestehend aus der Autorin Gisa Klönne, der Journalistin Antje Deistler, der Moderatorin Margarete von Schwarzkopf, dem Autor Orkun Ertener und dem Buchhändler Klaus Bittner hat nun die drei Titel der Shortlist 2016 bekannt gegeben:

»Im weißen Kreis« – Oliver Bottini (Dumont)

»Blaue Nacht« – Simone Buchholz (Suhrkamp Nova)

»Endgültig« – Andreas Pflüger (Suhrkamp)

Die Jurybegründungen für die drei Titel lauten wie folgt:

Oliver Bottini: Im weißen Kreis

Fünf Jahre hatte Oliver Bottini seinen Leserinnen und Lesern Zwangsabstinenz verordnet, jetzt ist sie zur Freude der Süchtigen wieder da: Die alkoholkranke Serienermittlerin Louise Bonì aus Freiburg. Ihre Wiederkehr IM WEISSEN KREIS führt zurück ins Jahr 2006. Durch einen verdeckten Ermittler erfährt sie, dass ein Bund von Alt- und Neonazis Waffen bei der Russenmafia in Baden-Baden kauft. Was nicht nur die Freiburger Polizei, sondern auch das Landeskriminalamt alarmiert. Allerdings aus unterschiedlichen Beweggründen, wie Bonì bald zu spüren bekommt.

Oliver Bottini schreibt so knapp und auf den Punkt wie sonst kaum jemand. Komplexe Charaktere breitet er in einem einzigen gewitzten Halbsatz aus, wenige Worte reichen ihm, um Stimmungen und Atmosphäre heraufzubeschwören. Sein Roman hält die Spannung von Anfang bis Ende, er unterhält mit Anspruch und Leichtigkeit. Die hohe Schule der Kriminalliteratur.

Simone Buchholz: Blaue Nacht

Die große Kunst von Simone Buchholz ist, dass ihre Sätze lässig wirken, lakonisch, ein bisschen schräg, wie nebenbei hingehauen. Tatsächlich jedoch ist BLAUE NACHT ungemein klug und präzise komponiert und auf den Punkt erzählt. Wenige Sätze genügen der gelernten Journalistin, um das schummrige Hamburg Sankt Pauli überzeugend und atmosphärisch dicht hinauf zu beschwören. Originell und mit hintergründigem Humor taucht sie in die Köpfe, Herzen und Lebenslügen ihrer durchweg kantigen Akteure und verleiht ihnen so eine tiefe Menschlichkeit. Dies gilt selbstverständlich in besonderem Maße für die Hauptfigur: Die kettenrauchende, Astra-Pils-trinkende Staatsanwältin Chastity Riley mit den wohlkaschierten Narben auf ihrer Seele, die eigentlich in den Opferschutz strafversetzt worden ist, sich dann aber doch in den Kampf mit einer Drogenmafia stürzt, der eigentlich gar nicht zu gewinnen ist. Dass dieses Szenario beklemmend real wirkt – und realistisch ist – verleiht diesem Kriminalroman seine Brisanz.

Simone Buchholz findet die perfekte Balance zwischen Coolness, Humor und Melancholie. Augenzwinkernd und charmant spielt sie wie nebenbei mit der – klassisch männlichen – hardboiled-Erzähltradition und packt und berührt bis zum überzeugenden Schluss.

Andreas Pflüger: Endgültig

Jenny Aaron ist Profilerin beim Bundeskriminalamt – und blind. Vor fünf Jahren gehörte sie zu einer Elitetruppe, die international agierte, als sie bei einem misslungenen Einsatz in Barcelona schwer verletzt wurde und erblindete. Heute nun bitten ihre ehemaligen Kollegen in Berlin sie um Hilfe. Ein im Gefängnis sitzender Frauenmörder hat seine Psychologin getötet und verlangt, nur mit Jenny reden zu wollen. Jenny Aaron nimmt den Auftrag an und muss bald erkennen, dass dies der Beginn eines quälenden 48stündigen Showdowns ist, der quer durch Berlin führt und ihr sowohl physisch als auch psychisch alles abverlangen wird.

Wie Andreas Pflüger in ENDGÜLTIG die Erzählperspektiven wechselt und die Spannungsschraube immer stärker anzieht, ist einfach meisterhaft. Und mit Jenny Aaron hat er eine innovative Heldin geschaffen, von der wir mehr lesen möchten.