Romy Hausmann

Romy Hausmann
Romy Hausmann

1. Welches Buch haben Sie als Kind am meisten geliebt? Wissen Sie noch, warum?

„Ein Schneemann für Afrika“ von Christa Kozik. Darin geht es um den Schneemann Kasimir, der als Geschenk eines Matrosen an ein kleines afrikanisches Mädchen im Kühlraum eines großen Schiffes von Rostock nach Afrika reist. Die Geschichte der Freundschaft zwischen dem Mädchen und dem unter den heißen Temperaturen Afrikas allmählich wegtauenden Kasimir hat mich als Sechsjährige schon zu Tränen gerührt. Ich habe dieses Buch nie vergessen, auch wenn es bei unserer Republikflucht 1989 zurückbleiben musste, und es, als mein Sohn alt genug dafür war, neuangeschafft. Ich liebe die Geschichte immer noch.

2. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Laut meiner Mutter habe ich in der zweiten Klasse bereits die Tageszeitung gelesen und mich darüber aufgeregt, was für „schlechte Geschichten“ da so abgedruckt werden. Also habe ich begonnen, meine eigene „Zeitung“ zu schreiben, mit kleinen Geschichten, die alle ein Happy End haben mussten. Es gab nie den konkreten Beschluss, jemals ein Buch zu schreiben – das war irgendwie eine ganz natürliche, logische Konsequenz und, wenn überhaupt, dann eher eine Frage nach dem richtigen Zeitpunkt. Der schien gekommen, als ich mit meinem Sohn im Babyurlaub war und, weil er ständig nur schlief und auch sonst viel zu unkompliziert war, eine Aufgabe brauchte. PS: Das mit dem Happy End sehe ich heutzutage übrigens nicht mehr so eng.

3. Welche Krimi-AutorInnen sind Ihre literarischen Vorbilder?

Konkrete Vorbilder habe ich keine, was, wie ich finde, auch gut ist. Ich möchte ja meine eigene Art und Sprache entwickeln, Geschichten zu erzählen. Allerdings gibt es Autoren, die zu meinem „Standard-Lese-Repertoire“ gehören, zum Beispiel Sebastian Fitzek wegen seiner meisterhaften Cliffhanger. Sprachlich total verfallen bin ich Melanie Raabe und Simone Buchholz.

4. Wie sieht Ihr typischer Autorentag aus?

Ich versuche, immer möglichst früh an den Rechner zu kommen, am besten schon morgens um fünf. Das ist eine Angewohnheit aus Zeiten, als es mit zwei Jobs, Kind und Haushalt eigentlich unmöglich gewesen wäre, „nebenbei“ noch ein Buch zu schreiben. Inzwischen schätze ich vor allem die Ruhe um diese Uhrzeit – da ist die Welt noch still, kein Telefon klingelt, keine Email will beantwortet werden; es gibt nur mich und meine Gedanken. Obwohl ich einen Schreibtisch habe, hocke ich stattdessen auf einem Sitzkissen auf dem Fußboden in meinem Wohnzimmer, den Laptop auf den Knien, den Rücken an die Heizung gelehnt. Im Winter habe ich dadurch ständig Verbrennungen, fiese braune Male am Rücken, weil ich beim Schreiben einfach nichts mehr merke und völlig versunken bin. (Eins meiner ersten Manuskripte habe ich übrigens konsequent auf der Gästetoilette meiner damaligen Wohnung geschrieben, auf dem Trittschemel sitzend, den mein Sohn damals noch brauchte, um aufs Klo klettern zu können. Ich weiß nicht, warum ich es beim Schreiben offenbar unbequem haben muss – ich glaube, ich bin seltsam in vielen Dingen.) Jedenfalls arbeite ich auf diese Art bis mittags um zwölf, dann hole ich meinen Sohn von der Schule ab und kümmere mich für den Rest des Tages um die eher „irdischen“ Dinge wie Bürokram und Haushalt. Die Abende verbringe ich mit Kerl und Katze auf der Couch; wir sind ziemliche Film-Junkies.

5. Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben? Welche Hobbies haben Sie?

Zitat mein Sohn: „Du brauchst keine Hobbies, du hast ja mich.“ Das trifft es wohl recht gut. Ein ganz klein wenig Zeit zum Yoga oder für’s Gärtnern bleibt zum Glück aber doch noch. Der Rest ist Schreiben.

6. Welchen Klassiker möchten Sie unbedingt einmal lesen?

Die Klassiker, die mich interessieren, lese ich einfach bzw. habe ich gelesen. Da kommt nichts auf einen „Irgendwann-Stapel“, da ich denke, wenn man es nicht direkt tut, tut man es (womöglich) nie.

7. Welchem Buch eines anderen Autoren hätten Sie (noch) mehr Erfolg gewünscht und warum?

Im Spannungsbereich Linus Geschke mit „Tannenstein“. Eigentlich sind Actionthriller nicht meins, dieser jedoch ist so großartig geschrieben, dass es mich umgehauen hat. Da ich mich lesetechnisch allerdings auch sehr gerne in der Literatur herumtreibe: Kjersti A. Skomsvold: „Je schneller ich gehe, desto kleiner bin ich“. Ich habe dieses kleine, feine Büchlein schon mindestens dreimal gelesen, lache und heule gleichermaßen immer noch und immer wieder – so berührend.

8. Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Oaar, viel zu viele!

9. Welches Buch lesen Sie zurzeit?

„Die Träumenden“ von Karen Thompson Walker. Kein Thriller, eher ein Spannungsroman über eine Stadt in Kalifornien, in der die Menschen einschlafen und einfach nicht mehr aufwachen. Bis jetzt bin ich sehr begeistert; es ist toll geschrieben.

10. Gibt es den perfekten Mord?

Ich hoffe nicht!